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Was ist das?

Sünde, Geist, Dreieinigkeit: In unserem Glauben begegnen uns ständig Begriffe, die scheinbar klar sind – deren Kurzerklärung aber gar nicht so leicht fällt.

Was ist das?

Erbsünde

Eine der heikelsten Vorstellungen der Theologiegeschichte ist die der angeborenen Sündhaftigkeit des Menschen. Sie diente über die Jahrhunderte dazu, die Menschen gefügig zu machen. Selbst Könige und Kaiser ließen sich mit dieser theologischen Keule einschüchtern. Und bis heute wird die Erbsünde als Argument benutzt, um Menschen zu einem bestimmten Verhalten zu drängen, das gottgefällig genannt wird und mit dem sich Gnade erkauft werden kann.

Praktischerweise wurde die Weitergabe der Sünde außerdem noch mit dem Zeugungsakt in Verbindung gebracht. Damit war auch noch der Beweis geliefert, dass Sexualität der Ursprung aller Sünde sei. Noch absurder klingen diese Theorien, wenn in den Blick gerät, was eigentlich mit der peccatum originale gemeint war oder auch, was sie eigentlich erklären will.

Die Beobachtung ist uns ja auch nicht fremd, dass wir Menschen tun können, was wir wollen: wir schaffen es nicht, nur Gutes zu tun. Der Rückschluss, dass der Mensch von Geburt an nicht unter dem Anspruch leben muss, perfekt zu sein, hat durchaus etwas Tröstliches und Gnädiges. Und genau das war die ursprüngliche Intention der theologischen Überlegung, aus der leider genau das Gegenteil gemacht wurde.


Georg Rieger
Was ist das?

Die Zählung der Sonntage „… nach Trinitatis“ gibt immer wieder Rätsel auf. Warum vorher komplizierte Namensgebungen mit viel Hintersinn und dann fast ein halbes Jahr nur eine schnöde Nummerierung. Dass im Sommer keine hohen Feiertage liegen, hat schlicht den Grund, dass in der Landwirtschaft keine Zeit für Unterbrechungen war. Die Trinität ist kirchenjahrtechnisch quasi der Garant dafür, dass alles geregelt ist und wir uns getrost dem Alltag stellen können. 

Genauso scheint die Dreieinigkeit in der Theologie eine gewisse Verlässlichkeit zu garantieren. Auch wenn sie in der Bibel nie erwähnt wird, wurde sie in frühen Zeiten erdacht, um den verschiedenen Erscheinungsformen Gottes Namen und Struktur zu geben. Verbissen wurde sie dann über die Jahrhunderte verteidigt. Selbst noch im reformierten Genf wurde Michael Servet wegen seiner Zerlegung der Trinität hingerichtet.

Eine solche Wirkungsgeschichte lässt uns heute annehmen, dass es sich hierbei um keine gute Theorie handeln kann. Doch die Motive dieser unerbittlichen Verteidigung waren wohl eher die Machterhaltung als die einer redlichen theologischen Überzeugung. Diese hat aber durchaus etwas für sich: Sie bewahrt nämlich davor, eine Wesenseigenschaft Gottes (bzw. unsere Vorstellung davon) einseitig zu betonen. Gott ist weder nur der allmächtige, noch nur der menschliche, noch nur der geistlich erfahrbare. Er ist immer alles zusammen. Oder anders gesagt: Die Dreieinigkeit ist so unfassbar wie Gott selbst und gerade dadurch so kraftvoll, um uns im Alltag Halt zu geben.


Georg Rieger
Mission

Missionarisch zu sein gilt heute weitgehend als verpönt. Zu viele schlechte Assoziationen sind mit dem Begriff verbunden. Im Namen der Mission wurden grausame Verbrechen begangen. Gegen andere Religionen zu kämpfen oder Nichtgläubige die eigene Religion aufzuzwingen galt als gottgefällig und wurde mit der Rettung von Seelen begründet. Natürlich gab es auch hilfreiche Aktionen. Anders ist es auch gar nicht zu erklären, dass so viele missionierte Menschen den christlichen Glauben bis heute behalten haben. Insgesamt wird die Entwurzelung von Menschen aus gewohnten Glaubensgemeinschaften heute aber kritisch gesehen.

Beispiele friedlichen Zusammenlebens sind immer mit dem Verzicht auf Mission verbunden – oder zumindest mit allergrößter Zurückhaltung. Ob der Missionsbefehl am Ende des Matthäusevangeliums wirklich eine historische Erzählung ist? Oder wurde er nur falsch interpretiert?

Heute bemühen sich die Missionswerke um eine ganz andere Definition von Mission als Partnerschaft auf Augenhöhe. Voneinander lernen ist auch eine Art von Mission, aber eine, die das Wohl der jeweils Anderen in den


Georg Rieger
Was ist das?

Der dritte Teil der Dreieinigkeit spielt neben Gott und Jesus bzw. Vater und Sohn eine eher untergeordnete Rolle. Das liegt maßgeblich daran, dass es über den Heiligen Geist keine Geschichten gibt. Er entzieht sich – mehr sogar noch als Gott – unserer Vorstellungskraft. Was soll das sein, der Geist?

Wenn es innerhalb der Dreieinigkeit eine Rollenverteilung gibt, dann ist die Aufgabe des Geistes allerdings die, uns nahe zu sein. Er ist so eine Art Verbindung zum Göttlichen. Der Geist macht Gott spürbar und nahbar. Allerdings nicht verfügbar, wie das manche charismatischen Glaubensrichtungen für sich in Anspruch nehmen und ihre strengen Lebensregeln als geistgewirkt ausgeben wollen.

Wie Gott selbst auch bleibt uns der Geist fremd und kommt uns doch nah. Wir können uns ihm nicht sicher sein und doch Kraft aus ihm schöpfen. Gegen andere Geister, die uns z.B. den Egoismus als Lebenseinstellung empfehlen, gibt uns Gottes Geist den Mut, gegenzuhalten und durchzuhalten. Der Heilige Geist bringt uns in Resonanz mit der Liebe und Gnade Gottes.


Georg Rieger