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Impuls

Kurzer theologischer Impuls

Täglich finden Sie hier eine Anregung: am Montag Zitate des Theologen Martin Bucers (1491-1551) aus seinem Straßburger Katechismus; am Dienstag Fotografien von Waldenser-Kirchen weltweit, anlässlich 850 Jahre Waldenserbewegung; am Mittwoch Zitate der Hugenottin Marie Durand (1711-1776) aus Briefen, die sie während ihrer Gefangenschaft schrieb; am Donnerstag Lebensweisheiten zum Grübeln; am Freitag Gemälde Claude Monets (1840-1926) zu seinem 100. Todestag (Wikicommons); am Samstag Weisheiten prominenter Denker*innen aus dem Buch „Zähl nicht die Schafe, sondern sprich mit dem Hirten!“ (Luther-Verlag) und am Sonntag Zitate Martin Luther Kings, der vor 60 Jahren in Chicago in einem symbolischen Thesenanschlag gleiche bürgerliche Rechte für alle forderte.

Impuls

Briefe von Marie Durand (1711-1776)

Unsere Freiheit liegt in Ihren Händen, Madame, ausgezeichnete, edle Beschützerin der unterdrückten Unschuld, lassen Sie Ihrer Gnade, Ihrer Nächstenliebe und Ihrer vorbildlichen Frömmigkeit freien Lauf. Befreien Sie die elenden Opfer. Nach Gott und dem König, Madame, sind Sie die Person auf der Welt, für die wir die größte Verehrung und den größten Respekt empfinden und der wir unser größtes Vertrauen schenken. In einer Weise, die so gut zu dem hohen Amt passt, das Sie bekleiden, und zu den großen Tugenden, die Sie darin ausüben, dass Sie damit die Ehre und den Ruhm der Krone und der Nation mehren, wagen wir aus unserer seltsamen Art von Grab zu versichern, dass so viele Werke der Nächstenliebe, wie Ihre Hoheit bereits vollbracht hat und noch vollbringen kann, es keine gab und keine geben wird, die besser geeignet wären, Ihr edles und ausgezeichnetes Haus zu verherrlichen und ihm den Segen des Himmels und der Erde zu verschaffen, um den wir heute mit Tränen, Seufzern und allem, was in der Natur und in der Religion am stärksten und bewegendsten ist, bitten.


An eine Dame, 29. März 1759
850 Jahre Waldenserbewegung

Waldenserkirche in Rohrbach (Foto: Joachim Weckermann)

Martin Bucer (1491-1551): Straßburger Katechismus - Für die Jungen

Vater:
Kennst du die Zehn Gebote oder das Wort des Herrn?

Kind:
Ja, ich kenne sie.

Vater:
So erzähle sie mir nacheinander.

Kind:

Das Erste:
Ich bin der Herr, dein Gott, der dich aus dem Land Ägypten, aus der Sklaverei geführt hat. Du sollst keine anderen Götter vor mir haben.

Das Zweite:
Du sollst dir kein Bildnis noch irgendein Gleichnis machen, weder von den Dingen, die oben im Himmel sind, noch von denen, die unten auf Erden sind, noch von denen, die im Wasser unter der Erde sind. Du sollst dich vor ihnen nicht niederwerfen noch ihnen dienen; denn ich, der Herr, dein Gott, bin ein eifriger Gott, der die Missetat der Väter heimsucht bis ins dritte und vierte Glied derer, die mich hassen, aber Barmherzigkeit erweist an vielen Tausenden, die mich lieben und meine Gebote halten.

Das Dritte:
Du sollst den Namen des Herrn, deines Gottes, nicht missbrauchen; denn der Herr wird den nicht ungestraft lassen, der seinen Namen missbraucht.

Das Vierte:
Gedenke des Sabbattages, dass du ihn heiligst. Sechs Tage sollst du arbeiten und alle deine Werke tun; aber der siebente Tag ist der Sabbat des Herrn, deines Gottes. Da sollst du keine Arbeit tun, weder du noch dein Sohn, noch deine Tochter, dein Knecht, noch deine Magd, noch dein Vieh, noch dein Fremdling, der in deiner Stadt lebt. Denn in sechs Tagen hat der Herr Himmel und Erde gemacht, das Meer und alles, was darin ist, und ruhte am siebenten Tag. Darum hat der Herr den Sabbat gesegnet und geheiligt.

Das Fünfte:
Du sollst deinen Vater und deine Mutter ehren, damit du lange lebst in dem Land, das dir der Herr, dein Gott, geben wird.

Das Sechste:
Du sollst nicht töten.

Das Siebente:
Du sollst nicht ehebrechen.

Das Achte:
Du sollst nicht stehlen.

Das Neunte:
Du sollst kein falsches Zeugnis reden wider deinen Nächsten.

Das Zehnte:
Du sollst nicht begehren deines Nächsten Haus, du sollst nicht begehren deines Nächsten Weib, noch seinen Knecht, noch seine Magd, noch seinen Ochsen, noch seinen Esel, noch alles, was dein Nächster hat.


Aus: Martin Bucer: Straßburger Catechismus (1534), in neuhochdeutscher Übersetzung
Zitat zum Sonntag Wir alle müssen unser aktives Mitleid trainieren. (Liv Ullmann, geb. 1938, norwegische Schauspielerin und Regisseurin)
Aus: Bernd Becker, Hans Möhler (Hg.): Zähl nicht die Schafe, sondern sprich mit dem Hirten: 365 inspirierende Zitate und Sprüche
Impressionen von Claude Monet (1840-1926)

Das Mohnfeld bei Argenteuil (1872)

Martin Luther King: Forderungen der Friedensbewegung

From the Illinois Public Aid Department and the Cook County Department of Public Aid: Regular meetings between representatives of the recipients and top department administrators.

(Vom Sozialamt des Bundesstaates Illinois und vom Sozialamt des Cook County: Regelmäßige Treffen zwischen Vertretern der Leistungsempfänger und leitenden Verwaltungsbeamten.)

Im Jahr 1966 Jahren heftete der Friedensaktivist Martin Luther King - ähnlich wie Martin Luther - Thesen an die Rathauswand von Chicago. Der zitierte Text gibt zentrale Forderungen der Friedensbewegung von Chicago wieder: Gleichberechtigung für alle und eine Aufhebung der Rassentrennung.


Chicago, 10. Juli 1966
Lebenskunst - Fragen zum Nachdenken
Glaube - Hingabe

Welche Ihrer Freunde haben ein Gesicht, in dem der Schalk steckt und Gewitztheit funkelt? - Welche Gefühle ruft es in Ihnen hervor? - Hat auch einer Ihrer Feinde ein solches Gesicht? - Welche Art von Witzen finden Sie witzig? - Hat das etwas mit Ihrem Charakter zu tun? - Was finden Sie lustvoller: einen Witz selber zu erzählen, einen erzählt zu bekommen oder einen zu erfinden? - Über andere oder über Sie selber? - Was ist Humor? - Hatte Jesus Humor? - Darf man in der Kirche klatschen? - Verbindet sich das Gefühl tiefer Heiterkeit für Sie mit bestimmten Orten oder Zeiten? - Kann man hoffnungslos heiter sein? - Können Sie sich eine heitere Art des Sterbens vorstellen? - Beneiden Sie heitere Menschen? - Oder werten Sie sie eher ab? - Wie oft haben Sie in der letzten Woche von Herzen gelacht?


Frieder Furler (1998) aus Lebenskunst - Stücke für jeden Tag