Chronik
Weltgeschehen und reformierte Gedenktage
Reformierte Chronik
13.9.1542 - Zweiter Einzug Calvins in Genf
Vor sechs Jahren hat Guillaume Farel, der Reformator von Neuchâtel, ihn in Genf festgehalten, als er auf der Durchreise war. Zusammen haben sie die Reformation in-haltlich vorangetrieben, sich aber wegen überrissener Kirchenzucht und Streits um Berner Kirchenbräuche mit den Behörden verkracht. Nach zwei Jahren haben die Genfer ihren Reformator verbannt. Nun aber haben sie ihn wieder gerufen. Heute zieht er als Genfer in Genf ein. 23 Jahre lang wird er wirken und Genf nach Zürich zum zweiten Quellort der reformierten Reformation machen.
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12.9.1532 - Waldensersynode in Chanforan
Wie die Hussiten in Böhmen haben die Waldenser im Alpenraum schon lange vor der Reformation reformatorische Ideen. Heute schließen sie sich auf einer Wiese im Piemont der Westschweizer Reformation an. Die Reformatoren Farel und Olivétan sind aus Neuchâtel angereist. Mit einer Sammlung von 500 écus d'or als Einstand er-möglichen vor allem die Waldenser die erste Übersetzung der Bibel ins Französische.
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11.9.1572 - Feier der Hugenottenpogrome
Nach Plänen der Catarina de‘ Medici ist vor achtzehn Tagen der Hugenottenführer Gaspard de Coligny ermordet und dann ein Pogrom veranstaltet worden, dem in Paris 3‘000 Hugenotten zum Opfer gefallen sind. Landesweit sind ähnliche Massaker noch im Gang. Papst Gregor XIII hat nach Bekanntwerden der Pariser Ereignisse ein Te Deum singen lassen: Dich, Gott, loben wir. Heute findet nach seinem Willen eine Doppelfeier statt: des Siegs der christlichen Heere über die muslimischen bei Lepanto vor einem Jahr und des Siegs der katholischen Kirche über die hugenottische Häresie vor achtzehn Tagen. Bis in sechs Wochen werden weitere 15‘000 Hugenotten ermordet sein. Der Papst wird Giorgio Vasari beauftragen, im Vatikan eine Wand der Sala Regia mit der Ermordung Colignys zu bemalen. Eine Gedenkmünze mit Papst-bild und Hugenottenleichen wird erscheinen: Ugonottorum Strages 1572.
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7.9.1920 - Schweizerischer Evangelischer Kirchenbund
Heute treffen sich im Stadthaus von Olten 32 Abgeordnete aus fünfzehn Kantonalkirchen und zwei Diasporaverbänden. Als Traktandum 2 nehmen sie die Statuten des neuen SEK-FEPS an. Damit ist der zweisprachige Kirchenbund gegründet. Ein siebenköpfiger Rat wird gewählt, darunter als erster Ratspräsident Wilhelm Hadorn. Er ist Pfarrer, Professor und Verfasser einer Kirchengeschichte der reformierten Schweiz, die 1907 in Zürich erschienen ist.
29.8.1523 - Ulrich von Hutten
Zwanzig Jahre ist er unterwegs gewesen, hat als Soldat gedient und als Poet geschrieben. In Wien hat er den Sankt Galler Reformator Vadian kennengelernt, in Mainz den Humanisten Erasmus von Rotterdam. Fünf Jahre lang hat er sich publizistisch an den Dunkelmännerbriefen beteiligt. Mit Luther hat er Briefe gewechselt und wurde mit ihm vor zwei Jahren päpstlich gebannt. Armut und Krankheit haben ihn gezeichnet. Zwingli hat ihm zur Heilung seiner Syphilis eine Zuflucht auf der Insel Ufenau im Zürichsee vermittelt. Vor fünf Wochen ist dort seine letzte Streitschrift fertig geworden, der Libellus in tyrannos. Heute stirbt der deutsche Ritter auf der Ufenau.
27.8.1647 - Westminster Confession
In der Westminster-Synode treffen sich seit vier Jahren englische und schottische Presbyterianer, um im Auftrag des englischen Parlaments, das im Streit liegt mit dem konservativen Königshaus, Fragen des neuen nachrömischen Glaubens verbindlich zu klären. Vor einem Jahr ist die Confession fertig geworden. Heute nimmt die schottische Generalsynode sie an. Im kommenden Jahr wird das englische Parlament sie zusammen mit zwei Katechismen ratifizieren und in Kraft setzen. Mit geringfügigen regionalen Abweichungen wird sie zur Grundlage sämtlicher Bekenntnisbildungen im angelsächsischen Raum werden.
26.8.1789 - Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte
Nach der Flucht von nahezu 200‘000 Hugenotten aus Frankreich, vor allem aus dem Norden, und dem Untertauchen der Gebliebenen, vor allem im Süden, hat sich die Lage der Reformierten vor zwei Jahren verbessert. König Louis XVI hat Nichtkatholiken zivilrechtliche Anerkennung gewährt. Inzwischen hat die Revolution gesiegt. Marquis de La Fayette, der für die Amerikaner gegen die Engländer gekämpft hat, hat im Geist der Unabhängigkeitserklärung von 1776 eine Vorlage erarbeitet. Heute setzt die neue Nationalversammlung die Déclaration des Droits de l’Homme et du Citoyen in Kraft. Artikel 10 von 17 gewährt nun auch Reformierten das Recht auf freien und öffentlichen Kultus: Nul ne doit être inquiété pour ses opinions, même religieuses. In zwei Jahren wird die Verfassung die Kultusfreiheit garantieren.
24.8.1560 - Reformation in Schottland
Seit gestern tagt in Hercegszölös die ungarische Synode. Heute beschliesst sie die erste Kirchenordnung für den Donaudistrikt der Reformierten. Wenig später wird Dávid Huszár, Sohn des westungarischen Reformators Gallus Huszár, reformierter Pfarrer und Chef einer Druckerei, sie herausgeben. In einem Jahr wird die Übersetzung des Heidelberger Katechismus folgen.
22.8.1864 - Genfer Konvention
Vor fünf Jahren hat Henri Dunant die humanitäre Katastrophe von Solferino miterlebt, vor zwei Jahren sein Buch darüber publiziert und vor anderthalb Jahren das Internationale Rote Kreuz gegründet. Heute unterzeichnen auf Einladung des Schweizer Bundesrats Vertreter von zwölf Staaten ein Papier, das Ärzte und Juristen auf Anregung von Dunant ausgearbeitet haben. In Artikel 7 wird das rote Kreuz auf weissem Grund als Zeichen der Erkennung und gleichzeitig als Tabu der Gewalt festgelegt. 1929 wird der rote Halbmond hinzukommen, 1949 eine weitere Konvention.
17.8.1576 - Erste ungarische Kirchenordnung
Seit gestern tagt in Hercegszölös die ungarische Synode. Heute beschliesst sie die erste Kirchenordnung für den Donaudistrikt der Reformierten. Wenig später wird Dávid Huszár, Sohn des westungarischen Reformators Gallus Huszár, reformierter Pfarrer und Chef einer Druckerei, sie herausgeben. In einem Jahr wird die Übersetzung des Heidelberger Katechismus folgen.
